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Nur wer den Kopf hebt, kann den Weg sehen.

Manchmal spüren wir, dass eine berufliche Veränderung angesagt ist. Doch können wir uns nicht orientieren. Dann ist ein Coachinggespräch angesagt.

Ich werde oft gefragt: „Mit welchen Problemen kommen die meisten Coaching-Klienten zu dir?“ „Die meisten kommen gar nicht mit Problemen“, antworte ich ihnen, „Sie brauchen Orientierung.“


Berufliche wie private Standortbestimmungen und Zukunftsperspektiven

In den meisten Coachinggesprächen geht es um eine Standortbestimmung und um Zukunftsperspektiven:

  • Wo stehe ich?

  • Wo möchte ich hin?

  • Welche Möglichkeiten habe ich und für welche Option soll ich mich entscheiden?

  • Was spricht wofür und was benötige ich dazu?

  • Und wenn eine Perspektive gefunden wird, wie komme ich denn überhaupt dahin?


Solche Fragen häufen sich besonders in herausfordernden Zeiten mit erhöhter Arbeitslosenrate, massivem Stellenabbau und Zukunftsängsten. Wir wollen Sicherheit. Ein weiterer Grund für ein Coachinggespräch ist oft eine latente Unzufriedenheit, Langeweile oder eine Unter-, respektive Überforderung.


Wiederholt genannte Aussagen in Coachinggesprächen:

  • „Das kann doch noch nicht alles gewesen sein in meinem Leben.“ oder

  • „Ich möchte etwas Sinnvolles tun. Etwas, wo ich meine Fähigkeiten für etwas Grösseres einsetzen kann.“


In den meisten Fällen kommen Ratsuchende, weil sie eine Lösung für die Zukunft entdecken und entwickeln wollen.   


Standortbestimmung und Neuorientierung brauchen Klarheit

Stell dir vor, du bist in einer chinesischen Großstadt und du hast dich verlaufen. Du sprichst kein Wort Chinesisch, geschweige denn kannst du die Schrift entziffern. Die Strassenschilder wirken wie schöne Verzierungen ohne richtungsweisende Bedeutung. Du stehst an einer Kreuzung und verstehst nicht mal Bahnhof. Für eine Standortbestimmung oder eine Neuorientierung sind Hinweisschilder immens wichtig. Dies zeigt die folgende Geschichte, die ich in den schottischen Highlands selbst erlebt habe:


Ich hatte mich in Richtung Westen, mit dem Ziel, auf der die andere Seite eines Berges zu gelangen, aufgemacht. Im Aufstieg geriet ich in einen fürchterlichen Schneesturm und ich kämpfte gegen eisige Winde. Auf der Hochebene angekommen, war alles weiss und die Sicht eingeschränkt. In meinem Kopf hatte ich die Route abgespeichert. Ich wusste, ich muss die Ebene überqueren und auf der anderen Seite des Berges wieder absteigen, um mein Ziel zu erreichen. Als ich auf der anderen Seite das Tal erreichte und der Nebel sich lichtete, fiel mir auf, dass die Umgebung nicht mit der Karte übereinstimmte. Als ich meine Position mit dem GPS ortete, stellte ich mich Schrecken fest, dass ich mich am selben Ort befand, wo ich am Morgen gestartet war. Ich bin auf der Hochebene, im Schnee und Nebel einen Kreis gelaufen und habe mich verirrt.


Ob einsame Wildnis oder Grossstadtdschungel, wir brauchen Orientierung! Wir müssen unseren Standort kennen.


Wie orientierst du dich? Wie findest du einen Weg, wenn alles gleich aussieht und du die Richtung nicht kennst?


In der Regel halten wir Ausschau nach Dingen, die uns bekannt vorkommmen: ein markantes Gebäude oder ein Fluss, an dem wir uns orientieren können.


Der Taxifahrer kennt den Weg

Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als ich in Indien mit dem Zug vom Süden in den Norden nach Dehli und schlussendlich mit dem Jeep ins Himalaya Gebirge unterwegs war. Die 48-stündige Zugfahrt war ein Abenteuer für sich, das ich nicht wiederholen möchte. Unterwegs, in einer Grossstadt, hatte ich eine Stunde Aufenthalt, die ich nützte, um mit einem Taxi zum nächsten Mc Donalds zu kommen. Ich wollte wieder mal etwas anderes als Reis zu essen. Als ich aus dem Lokal kam, wurde mir bewusst, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich war. Ich musste ziemlich schnell zurück an den Bahnhof, um meinen Zug und meine Freunde, die darin warteten, nicht zu verpassen. Zum guten Glück verstand mein indischer Taxifahrer das Wort Trainstation und brachte mich durch das Chaos wieder zurück.


Manchmal stehen wir im Leben auf verlorenem Posten. Wir erkennen den Weg nicht und haben schlicht und einfach keine Ahnung, in welche Richtung es gehen sollte. Und da könnte die Unterstützung in Form eines Taxifahrers echt hilfreich sein.


Übersetzt heisst das, die Hilfe eines anderen Menschen erbitten, um den richtigen Weg zu finden. Ein Mensch, der die richtigen Fragen stellt und der es versteht, ein Bewusstsein für das eigenen Terrain zu entwickeln. Der die Wegweiser lesen kann und uns als Reiseführer auf dem Weg begleitet. Oft sind professionelle Coaches eine solche Anlaufstelle für Fragen zur Standortbestimmung und zur beruflichen Neuorientierung.


Standortbestimmung mithilfe eines Coaches

Ein junger aufgestellter Mann kam mit der Frage zu mir, welche Richtung er einschlagen soll. Er sprühte vor Energie, wusste aber nicht, wohin damit. Er war unzufrieden mit seiner Situation, fühlte sich fehl am Platz und sah keinen Weg.


Ich forderte ihn auf, am Whiteboard eine Kreuzung zu zeichnen. Er sollte der Kreativität freien Lauf lassen und einfach darauf los malen, was ihm in den Sinn kommt. Strassen, Häuser, die Umgebung…


Er zeichnete eine klassische Kreuzung mit vier gleich grossen Strassen in alle vier Himmelsrichtungen. Ich forderte ihn auf, seinen Standort zu markieren und den vier Strassen einen Namen zu geben.


«Von welcher Strasse kommst du her?» fragte ich ihn. Er komme von der Komfortstrasse, der Job fordere ihn nicht, doch er wurde befördert und die Anstellung war sicher. Ich wollte von ihm wissen, wie die Zukunft aussieht, wenn er geradeaus auf diesem Weg über die Kreuzung fährt. Er meinte, es sei eine sichere Stelle, jedoch würde es ihn nicht glücklich machen und spätestens in zwei Jahren würde die Strasse in einer Sackgasse enden.


Die Strasse nach links würde in eine Weiterbildung in der momentanen Fachrichtung führen und ihn zum Lehrlingsausbildner machen. "Will ich mich in dieser Aufgabe in 10 Jahren sehen?" fragte sich mein Klient und zeichnet eine grosse Absperrung auf die Kreuzung. «Das kommt nicht in Frage» meinte er. So bleibe noch die Strasse nach rechts. Diese Strasse war einfach für ihn zu benennen, sie führe in eine Neuorientierung, eine Ausbildung im Sozialbereich.


Obwohl seine Augen anfingen zu leuchten, meldeten sich sofort Zweifel und Gründe, weshalb dieser Weg nicht in Frage komme. Drei bis vier Jahre wieder zur Schule, ein Praktikum suchen, viel weniger verdienen. Bei all diesen Argumenten aber wurde nur klarer, dass dieser Weg ihn schon länger beschäftigte und als einzig richtige Option für ihn schien. Doch er müsse sich überwinden, von der Komfortstrasse abzubiegen auf einen Weg, der lange und herausfordernd scheint.


In einem weiteren Gespräch teilten wir diese lange Strasse der Neuorientierung in ein Endziel und Etappenziele auf, wobei wir auch einzelne Schritte zwischen den Etappen definierten.


Langsam, aber sicher, wandelte sich dieser scheinbar unmögliche und risikoreiche Weg, wie er sagte, in eine vielversprechende und gangbare Möglichkeit mit klaren und umsetzbaren Zwischenzielen.


Drei Monate später schickte dieser Klient mir eine Nachricht, dass er eine Praktikumsstelle in der Kinderpsychiatrie gefunden habe. Ganz euphorisch schieb er mir, wie erstaunt er sei, was die paar Gespräche alles bewirkt haben und er nun seine berufliche Laufbahn neu lanciert und die Richtung eingeschlagen habe, die er wirklich will.


Was geschieht, wenn wir die Orientierung wiederfinden?

Wir heben den Kopf und damit den Blick und nehmen die Aussenwelt wahr. Wir starren nicht wie das Kaninchen auf die Schlange, sondern wir schauen wieder nach vorne. Wir heben den Blick und bekommen eine freie Sicht. Wir können Ziele wieder ins Auge fassen. Dann begegnen wir auch anderen auf Augenhöhe.


Gründe finden, weshalb etwas nicht geht, kann man gut mit gesenktem Kopf. Den Blick heben, die Umgebung analysieren, Menschen um Hilfe bitten, Schritte wagen, dies alles heisst, Hoffnung zu haben. Und diese Hoffnung ist es, die uns die Kraft gibt, unseren Standort zu bestimmen und eine Neuorientierung zu wagen.


Nur wer den Kopf hebt, kann den Weg sehen!

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